Interviews

Interview mit Notwehr.

Im Gespräch mit Stefan von Notwehr.

Wieder ein Freitag. Wieder ein grauer Nachmittag im Winter 2021. Mein Weg führt mich diesmal in die Nähe von Köln. Dort treffe ich mich mit Stefan, dem Sänger und Gründer von Notwehr. In seinem Wohnzimmer sprachen wir bei Bier und Cola über seinen Weg zum Nationalismus, über Aufstieg und Ende von Notwehr, falsche Freunde, richtige Entscheidungen und dem Comeback nach 20 Jahren.

 

Wie immer kommt am Anfang die unangenehme Frage. Wann wurdest du geboren?

1974.

In Velbert?

Neviges. Ich bin geborener Nevigeser. In meinem Ausweis steht noch Neviges.

Jetzt fängst du schon an wie Cremer mit Wattenscheid. Jetzt sag aber nicht, dass Neviges mal eine eigenständige Stadt war.

Nein, nein. Ist nur ein Stadtteil von Velbert.

Und dort bist du auch aufgewachsen und zur Schule gegangen?

Genau. Bis auf die weiterführenden Schulen. Die besuchte ich in Velbert.

Wie kam es denn dazu, dass du den Weg zum Nationalismus gefunden hast? Man steht ja nicht morgens auf und ist auf einmal Nationalist.

Durch das Umfeld und die Umgebung. Wir waren damals eine kleine Gruppe Jugendlicher die jeden Tag zusammen abhingen. Und eines Tages drückte mir jemand eine Platte von den Onkelz in die Hand. Von da an habe ich die rauf und runter gehört. Irgendwie hatte mich dann das Fieber gepackt. Nicht das Onkelz-Fieber, sondern das Gefühl von Familie und Zusammenhalt. Man fühlte sich eben verstanden und man führte einen ganz anderen Lebensstil.

Aber die Onkelz waren damals ja schon längst keine Patrioten mehr.

Nein, natürlich nicht. Aber dadurch kam eins zum anderen. Damals hörte ja kein Schwein Onkelz. Aber ich hatte die immer auf voller Lautstärke auf dem Kopfhörer und wurde dann von Älteren aus meiner Schule, die auch in meinem Viertel wohnten, angesprochen, ob ich denn nicht mal Lust hätte mit zur FAP nach Essen zu kommen.

Und warst du dann in der FAP aktiv?

Ja gut, für die FAP war ich eigentlich noch zu jung. Aber wir haben in Neviges viel gemacht. Da waren Märsche und Wanderungen…

Märsche? In Neviges?

Ja, jetzt keine richtigen Demos, aber schon so mit Fackeln und allem was dazu gehört.

Und wie kamst du dann von der Partei zur Musik?

Ich war immer gut darin neue Leute zu treffen. Und so lernte ich mit der Zeit auch immer mehr Leute in Velbert kennen. Und über diese Kameraden lernte ich dann irgendwann meine Bandkollegen von Notwehr kennen. Zufälligerweise befand sich der damalige Proberaum in einem Keller an meiner Berufsschule. Aber die Band hieß damals ja gar nicht Notwehr..

Sondern?

Keine Ahnung. Ich glaube die nannten sich Radioaktiv, oder so ähnlich. Man konnte das auch nicht wirklich proben nennen. Das war mehr so ein Rumträllern.

Und wie kam es dann dazu, dass du in die Band aufgenommen wurdest, – also als Sänger?

Ich war ja von da an jeden Tag bei denen im Proberaum. Eines Tages wurde ich gefragt, ob ich nicht Lust hätte zu singen. Also habe ich das dann einfach mal gemacht.

Und der Name Notwehr? Wie kam der dann zustande?

Ach, da waren zuerst die abenteuerlichsten Namen im Gespräch. Skinheadgewitter und so ein Kram. Ich meinte dann, dass auf jede Aktion eine Reaktion folgt, bzw, folgen muss. Und da der Staat gegen uns handelt, handeln wir eben aus Notwehr. Man kann auch sagen, dass alles was wir heute unternehmen um Deutschland und Europa zu retten ganz einfach Notwehr ist.

Also steckt in dem Namen schon ein tieferer Hintergedanke?

Ja genau. So kann man das sagen.

Wer hatte denn damals die Texte geschrieben?

Das hatten wir uns geteilt. Mal habe ich die Texte geschrieben, mal ein anderer aus der Band. Zuerst stand immer der Text fest und die dazugehörige Melodie. Später kamen dann die Musik und das Komponieren dazu. Und so machen wir das heute auch.

Und wie kamt ihr dann dazu eine CD aufzunehmen?

Wie die Jungfrau zum Kind. Jemand aus unserer Band war mit einem Mädel aus Wülfrath zusammen. Und die hatte einen Nachbarn der bei der Band Wolfsroth gespielt hatte. Dieser Nachbar meinte dann, er hätte einen Produzenten an der Hand und wir sollten ihm doch mal was schicken, also dem Produzenten. Und dann haben wir bei dem Mädel im Jugendzimmer, eher gesagt im Keller ein Demotape aufgenommen. Damals noch richtig klassisch mit Tonband.

Nur eigene Lieder?

Nein. Fast nur Coversongs. Also wirklich kaum eigene Lieder. Vielleicht zwei, oder drei Stück. Aber ansonsten haben wir nur von anderen Bands wie Kraftschlag und Commando PXXX gecovert. Ja und dem Produzenten hatte das alles sehr gut gefallen und von da an ging alles Schlag auf Schlag. Also ab ins Tonstudio und dann wurde alles aufgenommen.

Wie lange wart ihr im Tonstudio?

Ein paar Tage. Aber keine zwei Wochen, oder so.

Wart ihr mit der Aufnahme zufrieden?

Nein, gar nicht. Also erstmal war der Typ im Tonstudio total unfreundlich und gar nicht richtig bei der Sache. Hinzu kam noch, dass sein Sohn für uns das Schlagzeug eingespielt hatte für 1000 Mark. Der war mal so gar nicht auf unserer politischen Wellenlänge und dann konnte ich mir den Spruch nicht verkneifen, dass manche Leute für Geld echt alles machen.

Das erste Album war ja ziemlich leise abgemischt und insgesamt nicht wirklich professionell, oder?

Richtig. Wir waren da gar nicht mit zufrieden. Der Kerl hatte uns Gott weiß was versprochen und erzählte uns Geschichten davon, er hätte CDs von AXXIS abgemischt. Da dachte ich zuerst, dass er uns jetzt eine richtig fette Scheibe abmischt und dann kam da sowas bei raus…

Aber die erste CD schlug ja ein wie eine Bombe.

Richtig. Damit hatten wir auch gar nicht gerechnet.

Wie habt ihr davon erfahren? Internet gab es damals ja noch nicht so in dem Umfang wie heute.

Durch die Verkaufszahlen. Rein durch die Verkaufszahlen.

Wie erklärst du dir rückblickend diesen Erfolg damals von Notwehr?

Ich denke weil wir anders waren. Es gab damals viele gute Bands wie 08/15 oder Sturmwehr, die alle nicht schlecht waren, aber irgendwie hatte sich doch alles gleich angehört. Triebtäter, deren Sänger ja leider verstorben war, oder Brutale Haie, – das waren Bands die noch herausstachen. Aber im Großen und Ganzen war alles dasselbe und wir waren eben anders.

Hattet ihr durch den Erfolg dann auch plötzlich ganz viele „neue, alte Freunde“?

Oh ja, ganz viele. Wir hatten plötzlich tausend neue Freunde. Leider haben wir den Fehler gemacht, dass diese „Freunde“ auch bei uns blieben, bzw, wir hatten sie nicht einfach ignoriert und weggeschickt, so wie man es normalerweise mit falschen Freunden machen sollte.

Wolltet ihr nach dem Erfolg der ersten Scheibe sofort eine zweite nachlegen, oder hatte der Produzent euch dazu gedrängt?

Teils, teils. Bei Notwehr gibt es kein Mittelmaß. Entweder man findet Notwehr geil, oder eben scheiße. Aber der Produzent war vom Erfolg selber so begeistert, dass er meinte, wir sollten sofort eine nachlegen. Und das haben wir dann auch gemacht. Wir probten ja weiterhin fleißig im Keller und hatten während den Aufnahmen zur ersten scheibe schon drei Lieder für die zweite CD im Kasten. Bei der ersten CD war es ja noch geteilt mit den Texten, aber bei der zweiten CD habe ich ungefähr ¾ der Texte verfasst. Und ein damaliger Kamerad hatte auch noch einen Text geschrieben.

Die zweite CD dann wieder im selben Studio aufgenommen?

Ja leider. Eines Tages, nachdem ich wieder mit dem Studiotypen aneinander geraten war, hatte dieser mir Hausverbot erteilt, worauf ich nur meinte, dass mir gar nicht besseres passieren könnte, als bei ihm Hausverbot zu kriegen.

Es gab ja dann noch ein Projekt mit euch und Oidoxie, welches German Ultras hieß. Das kam aber nie über ein paar Lieder hinaus?

Richtig. War ja auch nur ein Projekt. Hat aber Spaß gemacht und wir waren nicht mehr in dem scheiß Tonstudio.

Ist denn die zweite Notwehr CD besser eingeschlagen als die erste?

Wie eine Bombe. Also da waren wir selber echt geplättet, als wir erfahren haben wie die angekommen ist bei den Hörern. Ich weiß noch, dass die CD gerade im Presswerk war und wir schon 3000 Vorbestellungen hatten. Das konnte ich auch erst gar nicht glauben.

Und danach…?

…kam die dritte, bzw. war in Planung.

Echt?

Ja, wirklich. Die dritte CD war  schon zur Hälfte fertig und dann hatten wir uns ja quasi aufgelöst.

Magst du was zu den Gründen sagen?

Nee. Außer, dass man sich eben auseinandergelebt hatte und es zu viele von diesen falschen Freunden gab. Und das ist pures Gift für eine Band. Man kann sagen, dass es damals mit Notwehr zuerst steil bergauf und dann wieder steil bergab ging – leider.

Fandest du das schade?

Ja, auf jeden Fall. Ich wollte auch unbedingt weitermachen. Damals hatte ich einen Kameraden in Bayern und ich wollte irgendwie Notwehr am Leben halten. Also sagte ich zu ihm, dass ich erstmal nur einen Schlagzeuger brauche und mich um den Rest selber kümmern würde. Aber einen vernünftigen Schlagzeuger zu finden war gar nicht so einfach und ich wollte mir nicht einfach irgendwo bei anderen Bands Musiker leihen, denn das wäre nicht das gleich gewesen. Also wurde leider nicht daraus.

Hattest du denn nach der Auflösung noch weiterhin Kontakt zu deinen ehemaligen Bandkollegen?

Die ersten Jahre gar nicht. Das kam erst viel später. Einer von ihnen hatte ja Mitte der 2000er ein neues Musikprojekt gestartet und er fragte mich dann, ob ich nicht ein paar Texte für ihn hätte. Ich muss auch dazu sagen, dass ich mit den Jungs eine gute Zeit hatte. Und wenn es so wäre, dass ich sie nicht leiden könnte, warum habe ich dann soviel Zeit mit ihnen verbracht. Wir sind ja nicht im Streit auseinander gegangen.

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