Politische Artikel

Solidarität mit dem ukrainischen Volk.

VON PHILIP HASSELBACH

Viele Anfragen erreichten mich in den letzten Tagen zu diesem Thema und ich möchte jetzt mit etwas Abstand meine Sicht der Dinge erläutern.

Ich bin nun über 6000 km von Odesa entfernt. Kann ich mich über diese scheinbare „Sicherheit“ freuen? Nein!

Ich flog drei Tage vor Putins hinterhältiger Invasion nach Deutschland. Die Reise war viele Wochen vorher geplant. Ich wollte eine Woche in Deutschland mit meinen Kindern verbringen, anschließend in den Urlaub nach Spanien fliegen und am 14. März zurück nach Odesa kommen. Von einer schönen Reise, gemeinsam mit meiner lieben Freundin, ist nichts mehr spürbar.

Meine Wohnung ist in Odesa. Mein Auto ist in Odesa. Viele Freunde sind Odesa. Ich erinnere mich an die Woche vor der Invasion: Von den regelmäßigen Feuerwerken in der Stadt wachte ich nachts oft auf und ging auf den Balkon, um zu schauen, ob es losgeht. Ich fing an paranoid zu werden, obwohl ich mit einem Krieg von diesem Ausmaß nicht rechnete.

Während meiner Abwesenheit kam es zu einem feigen Angriff auf die Ukraine. Unter dem Vorwand eines „Militärmanövers“ bereitete dieser Kriegsverbrecher lange Zeit eine große Invasion vor. Auch die zahlreichen russischen Saboteure, die derzeit in der Ukraine aktiv sind, kamen nicht plötzlich, sondern sind schon lange vorher platziert worden.

Nun sitze ich auf Teneriffa. Die Sonne scheint. Die Leute baden. Trotzdem ist es kein „Urlaub“, weil ich in Gedanken jede Sekunde in der Ukraine bin. Ich dachte darüber nach diese Reise nicht anzutreten, weil ich keinen „Urlaub“ machen kann, während meine Freunde mit der Waffe kämpfen, das Militär unterstützen oder andere vor den Barbaren unter Lebensgefahr flüchten. Letztendlich kam ich jedoch zu dem Entschluß, daß ich ein paar Tage Ruhe brauche, um rational die nächsten Schritte zu planen.

Am 14. März werde ich wie geplant (jedoch auf dem Landweg) in die Ukraine reisen. Putin wird mich daran nicht hindern. Ich habe ein paar geschäftliche Dinge zu erledigen und diese Dinge werde ich erledigen.

Ich sehe im Fernseher zerstörte Straßen, auf denen ich selbst schon gefahren bin. Cherson ist die erste Großstadt, die von den Feinden erobert wurde. Ich war dort erst vor einigen Wochen einkaufen.

Meine Freundin Dasha hat in den letzten Tagen viel geweint. Ihre Heimat wird zerstört. Ihre Familie hat es nicht „raus“ geschafft und ist dem Angriff der Barbaren ausgeliefert. Sie zerstören Häuser und ermorden Zivilisten.

Ich sehe keinen Unterschied: Früher mordete und plünderte die Rote Armee gegen uns Deutsche. Heute machen es die Streitkräfte der Russischen Föderation gegen die Ukrainer.

Die Ukrainer litten unter Stalin (Holodomor) und jetzt unter Putin. Putin will das ukrainische Volk und seine Identität auslöschen. Daran bestand für mich nach seiner Ansprache vom 22. Februar kein Zweifel mehr. Putins Haß gegen das vermeintliche „Brudervolk“ war durch den Fernsehbildschirm spürbar. Seine unmenschlichen Raketenangriffe auf zivile Ziele und die Morde seiner Soldaten bestätigten dies.

Meine liebe Dasha ist nun als Tourist in der EU und wird bald einen Flüchtlingsstatus beantragen müssen. Wir müssen dafür zur Ausländerbehörde. Ich bin dann mit einem Flüchtling liiert. ICH? Für mich bis vor kurzem unvorstellbar. Dasha ist eine ukrainische Nationalistin und hatte niemals vor ihre Heimat zu verlassen. Es ist bitter, aber sie wird nun temporär in Deutschland bleiben.

Ich kenne Leute, die vor der Invasion sagten: „Putin will keinen Krieg“. Jetzt sagen sie: „Putin hatte keine andere Wahl“. Ich habe dafür kein Verständnis. Putin hätte sich an die UNO oder den Internationalen Gerichtshof wenden können, um die angebliche Bedrohung der Russen durch die Ukraine zu klären.

Es ist meines Erachtens auch eine falsche Sicht der Dinge, wenn einige Leute jeden Fehltritt der ukrainischen Regierung auf das ukrainische Volk abwälzen. Wir Deutschen sollten es doch am besten wissen: Ich lasse mir die Fehltritte von Frau Merkel oder ihrem Nachfolger auch nicht anlasten. Ich habe die beiden nicht gewählt.

Putins Plan, die Ukraine zu „entnazifizieren“, ist geisteskrank. Wer sind die „Nazis“ in der ukrainischen Regierung? Die Ukraine soll die völkerrechtswidrig besetzten Gebiete im Donbass aufgeben? Die Ukraine, die gerade erst von ihrem östlichen Nachbarn überfallen wurde, soll einer Entmilitarisierung zustimmen? Der Mann ist verrückt geworden.

Putin ist ein alter und kranker Mann, der offensichtlich in die Geschichte eingehen will, bevor sein eigenes Leben (endlich) endet. Das ist für mich die einzige Erklärung für diesen Wahnsinn.

In Deutschland sieht man nun überall die ukrainischen Nationalfarben blau und gelb als Zeichen der Solidarität. Ich finde das gut, auch wenn es mich befremdet. Die deutschen Nationalfarben hat man vorher nicht in dieser Intensität gesehen…

Die Ukrainer leisten heldenhaften Widerstand gegen die Besatzer. Sie können und dürfen bis zu einer diplomatischen Lösung nicht aufgeben, denn es geht um die nackte Existenz ihrer Heimat. Ich verneige mich vor all diesen Helden, mit denen ich seit dem Jahr 2020 mein Leben verbringen durfte.

Ich werde dem ukrainischen Volk weiter die Treue halten. Ich habe bereits eine großzügige Spende geleistet und werde auch in Zukunft den Kampf für die Freiheit des ukrainischen Volkes fördern.

Ruhm der Ukraine!

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