Interviews

Interview mit der Band Stahlwerk (Rock Hate Ausgabe 3)

 

 

Moin zusammen. Vielen Dank erstmal daf├╝r, dass ihr euch die Zeit f├╝r dieses Interview nimmt. Wie kam es denn zu eurer Bandgr├╝ndung?

 

Die Frage des genauen Momentes der Bandgr├╝ndung l├Ąsst sich in unserem Fall schlecht nachvollziehen, da letztendlich viele Faktoren und Entwicklungsstufen zur jetzigen Formation ausschlaggebend waren. Der urspr├╝ngliche Grund Musik zu machen und damit der Furz zur Gr├╝ndung einer Band, bekam ich jedenfalls durch meinen langj├Ąhrigen Freund und jetzigen Bassisten St├╝rmer. Wir hatten damals unbegrenzten Zugang zu einer Discobar und trafen uns dort regelm├Ą├čig hinter verschlossenen T├╝ren, um im Rahmen von weiteren guten Freunden, der passenden Musik, sowie der Unterst├╝tzung des ein oder anderen Kaltgetr├Ąnks ├╝ber die wichtigen Fragen des Weltgeschehens zu philosophieren. Der Gedanke, sich am Tonequipment und den rumstehenden Instrumenten zu vergreifen war nur eine Frage des Pegels. Schnell wurde daraus ein mehr oder weniger ernsthafterer Zeitvertreib und so n├Âtigte mich mein Freund (der damals f├╝r die Stimme vorgesehen war) Bass zu lernen. Es sei schlie├člich total leicht, das bek├Ąme ich schon irgendwie hin. Schlie├člich wollten wir nur Musik f├╝r UNS machen, als Zeitvertreib sozusagen. Ich besch├Ąftigte mich also mit dem Bass und sah es naheliegend mir eine Gitarre zu besorgen, da sich meiner Meinung nach das Handling und die Fingerfertigkeit um einiges komfortabler ├╝ben lassen, als langweilig alleine auf einem Bass rum zu zuppeln. Mein anstrengender und oft nerviger Ehrgeiz f├╝hrte allerdings dazu, dass ich innerhalb k├╝rzester Zeit ganz passabel Gitarre spielen konnte und den damaligen Gitarristen abl├Âste. Schnell wurde mir aber mit meinem neuen “K├Ânnen” langweilig, zu oft kam es vor, dass ein anderes Bandmitglied keine Zeit hatte oder es anderweitig nicht voranging. Also kam der Gedanke selbst eine Band zu gr├╝nden. Bei einer Gartenfeier unterbreitete ich einem anderen Freund mein Vorhaben und ├╝berredete ihn schlie├člich Bass zu lernen, hatte ja bei mir auch geklappt. Viel wichtiger war jedoch, dass dieser Freund es schaffte unseren anderen, gemeinsamen Freund Meschke(der gerade erst aus der Haft entlassen wurde) zu ├╝berreden, sich am Gesang zu probieren, der sich alleine durch mich nicht h├Ątte ├╝berreden lassen-hatte er doch den besseren Draht zu ihm. Und damit stand die erste Formation von Stahlwerk. Das d├╝rfte so um 2005 gewesen sein. Ich denke das kann man am Ehesten als Zeitpunkt der Gr├╝ndung bezeichnen.

 

Wie kam es denn dann zu dem Bandnamen Stahlwerk? Einfach so in den Raum geworfen, oder gab es mehrere Vorschl├Ąge?

 

Das ist schon eine ganze Weile her, sicherlich gab es da auch andere Ideen und Vorschl├Ąge. Letztendlich sollte ein Name her, der unsere Heimat repr├Ąsentiert und gleichzeitig daran erinnern soll, wie wir aufgewachsen sind und was uns gepr├Ągt hat. Das Edelstahlwerk ist in unserer Stadt schon immer allgegenw├Ąrtig. Es gab damals kaum eine Familie, die beruflich nicht mit dem Stahlwerk oder den verkn├╝pften Z├╝nften, wie dem Bergbau zu tun hatte. Das Aufwachsen in den Arbeitervierteln hatte zwar auch seine Schattenseiten, trotzdem m├Âchte man es nicht missen und ist stolz drauf. Wir haben als Kinder mit Rotz im Gesicht auf der Halde gespielt und uns mit Dreck beworfen. Wir hatten kein teures Spielzeug, aber wir hatten uns. So oder so ├Ąhnlich ist es auch heute noch.

 

Sch├Âner, heimatverbundener Name. Haben in der Form ja nicht viele K├╝nstler. Erz├Ąhle mal was zu der Entstehungsgeschichte des Covers eurer neuen CD. Das ist ja stark angelehnt an ein bekanntes Cover von Iron Maiden. Sind welche aus eurer Band Anh├Ąnger der Musik von dieser Band?

 

Wer kennt sie nicht, die sch├Ânen alten Metalscheiben, mit dem meist martialischen Covergestaltungen die damals die zerfetzten Jeanskutten der Metaller zierten. Komische, Haare schleudernde Gestalten – aber was f├╝r eine geile Musik damals. Hart, ehrlich, aggressiv… ob Metallica, Maiden, Manowar, aber auch AC/DC- es ging alles rein, v├Âllig Wurscht mitunter was der S├Ąnger gr├Âlte, das war meistens zweitrangig. Ich erinnere mich gut, als ich vor einiger Zeit mit meinem kleinen, gest├Ârten Kumpel Erich zusammen sa├č und wir ├╝ber Musik diskutierten. Dabei sind wir auf den Nenner gekommen, dass einem bei der stetig immer gleicher werdenden Musik in unserer Szene, nichts anderes ├╝brig bleibt, als ├Âfter mal auf die alten Metalscheiben zur├╝ckzugreifen, will man der Musik nicht ├╝berdr├╝ssig werden. Wenn man diese Zeitreise unternimmt, fallen einem haupts├Ąchlich zwei Sachen auf: 1. Dass unser geliebter RAC davon zwar sehr beeinflusst wurde, es einem aber so vorkommt, als h├Ątte man die H├Ąlfte dort vergessen mitzunehmen. Irgendwie muss man musikalisch wieder zur├╝ck in die Zeit, um das aufzuarbeiten was man da zur├╝ckgelassen hat. Ich besprach meine Erleuchtung mit den Jungs in der Band und wir beschlossen diese Erkenntnis in unsere neue Scheibe mit einflie├čen zu lassen. H├Ârt man sich das ein oder andere Lied und den ein oder anderen Part aufmerksam an, ist es nicht zu ├╝berh├Âren.

2. Bei den schon oben erw├Ąhnten Covergestaltungen f├Ąllt einem nicht nur auf, wie ausgekl├╝gelt und aufw├Ąndig sie gestaltet sind, sondern wie selbstverst├Ąndlich in diesen Bildern, Themen wie Krieg, Zerst├Ârung und Gewalt behandelt bis verherrlicht werden. Was wiederum die Frage aufwirft, gab es das unter den Kriegsschuld-gebeutelten Deutschen in der Metalszene auch? Ich kann mich zumindest nicht an gewalt- oder kriegsverherrlichendes (auch nur vermeintlich verherrlichendes) Material von den Scorpions erinnern. Oder anders gefragt, h├Ątten deutsche Vertreter, sofern sie sich das ├╝berhaupt trauten, solche Bilder damals an der Zensur vorbeigekriegt? ├ähnliche Parallelen sind mir aber, etwas primitiver zwar, zum Beispiel von Kahlkopf bekannt. Ich beschloss da also in der Richtung auch nochmal “nachzuhaken”. Besonders stie├č mir dabei das legend├Ąre Maiden Cover “The Trooper” auf. Was ├╝bersetzt – was f├╝r ein Zufall – wie beim Kahlkopf Cover auch Soldat hei├čt. Iron Maiden, die in Bezug ihrer englischen Geschichte zum Krieg, bildlich eine ├╝bermenschliche Kriegsmacht in Form eines einzelnen Soldaten stilisieren…naja ich finde, die haben da geschichtlich was durcheinander gebracht. Deswegen steht bei unserem Cover auch das Wort “Idealist”, anstelle des “Trooper” (Soldat) von Maiden, als Hinweis auf einen kleinen, aber feinen Unterschied. Dass letztendlich das Cover f├╝r Diskussionen sorgt, da nur Wenige die eigentliche Tiefgr├╝ndigkeit erkennen werden und sich schlichtweg darum streiten, einen deutschen Soldaten als Monster (Eddie) verunglimpfen zu d├╝rfen oder nicht, war mir schon bewusst, aber die ehrliche Absicht dahinter spricht mich frei.

 

Das stimmt was du sagst. Aber ist es nicht auch teilweise so, dass sich der Rechtsrock mit den Jahren weiterentwickelt hatte, w├Ąhrend manche Metalbands, ├╝berspitzt gesagt, im Jahre 1991 stehengeblieben sind (Slayer, Megadeath)?

 

Ja selbstverst├Ąndlich, das ist zum Teil auch gut so. Ich f├╝r meinen Teil mag die neuen Sachen in unserer Szene auch sehr. Genauso bin ich aber auch der Meinung, dass man viele Einschl├Ąge in der Vergangenheit h├Ątte mehr ausreizen k├Ânnen. Das sollte man doch nicht unverarbeitet ad acta legen, nur weil man unbedingt dem Neuen und Angesagten hinterher jagen muss. Und gerade bei den Oldies unserer Szene wippt doch der Fu├č noch automatisch. Es gibt da noch viel offenes Material, welches man aufarbeiten und mit den neuen technischen Mitteln auf einen neuen Stand bringen kann.

 

Ihr habt ja auf der CD einige Klassiker gecovert. Wie kamt ihr auf die Idee und warum genau diese Lieder? Gab es seitens der anderen Mitglieder noch weitere Vorschl├Ąge?

 

Da gab es viele Lieder zur Auswahl. Was die Band angeht, arbeiten wir nicht st├Ąndig mit Hochdruck an irgendwelchen Eigenprojekten mit Stress im Nacken wie Hamster im Laufrad, wir experimentieren und probieren auch viel, einfach weil es sich gerade ergibt, oder weil man da schon immer mal Lust dazu hatte. Da besch├Ąftigt man sich manchmal mit Sachen, die etwas weiter davon entfernt sind, was man eigentlich so macht. Oder es entstehen einfach Lieder, die aus der Reihe tanzen. Deswegen hei├čt die Bonus-Scheibe auch “Im Proberaum brennt noch Licht”. Daf├╝r standen auch noch mehr Lieder zur Verf├╝gung, leider standen die aber schon auf dem Index und schieden somit leider aus. Zur engeren Auswahl kamen dann Lieder, die wir zum Einen pers├Ânlich am besten fanden und zum Anderen eher schwierig zu covern sind, um die Messlatte m├Âglichst hoch zu legen. Dabei ist es uns wichtig m├Âglichst nahe am Original zu bleiben, aber dennoch, mit kleinen Nuancen dem jeweiligen Lied einen neuen und eigenen Anstrich zu verleihen.

 

Ihr habt euch ja mit dem Vorhaben, den Song “One Family” von Brainwash ins Deutsche zu ├╝bersetzen, ganz sch├Ân was aufgeladen. Das war bestimmt nicht einfach. Seid ihr denn am Ende mit allen Coversongs zufrieden?

 

Ja das stimmt, das war eine schwere Kiste, wie du schon sagst. Alleine die ├ťbersetzung so hinzubekommen, dass sie vom Sinn her nicht abweicht, aber trotzdem ├╝ber akzeptable und fl├╝ssige Schlagw├Ârter verf├╝gt, war ein Fall f├╝r sich. Der Text im Original ist spitzenm├Ą├čig, w├╝rde man ihn aber 1 zu 1 ins Deutsche ├╝bersetzen, w├╝rden sich viele Passagen etwas schwul anh├Âren. Jeder der sich mit Musik auskennt, wei├č wie schwer es ist, etwas l├Ąssiges aus dem Englischen ins Deutsche zu holen, ohne dass es an Flow verliert, oder, auf Deutsch gesagt, klingt wie Stock im Arsch. Das sich dann mit der Stimme von unserer Frontsau Meschke die Geister scheiden werden, war uns von Anfang an bewusst. Die Einen m├Âgen es, die Anderen eben nicht, soll ja keine 1 zu 1 Kopie sein und sollte es auch nie werden. Es soll unsere Interpretation und unser bescheidener Beitrag sein, diese Bombe von Lied w├╝rdig in unsere Sprache zu holen und das war meiner Meinung nach, bei diesem Lied f├Ąllig.

Ja und allgemein was unsere Cover angeht, sei bemerkt: das Original bleibt immer das Original, diesen Rang will auch niemand streitig machen. Ich denke da gerade an unser Triebt├Ąter – Cover, ein ebenfalls harter Knochen. F├╝r einen H├Ârer, der ein Original liebt und perfekt findet, wird ein Cover immer komisch klingen, oder zumindest nicht an das Original herankommen – das soll es in dem Fall auch nicht. Wir wollen uns nicht erdreisten uns mit Chris zu messen – nichts kommt an das legend├Ąre Album heran – viel mehr wollen wir es vor dem Staub der Zeit bewahren und es wieder in die Gegenwart katapultieren. Mein alter schwedischer Musiklehrer Tyske Spritlik, von dem ich viel lernen durfte, vertrat folgende Meinung ├╝ber Cover:┬á“Die Stimme ist immer Geschmackssache, vorausgesetzt die T├Âne werden getroffen. Spielerisch d├╝rfen Cover nie schlechter sein als das Original, denn letztendlich soll es eine W├╝rdigung sein.” Ja anhand von diesen Kriterien k├Ânnen wir, denk ich, zufrieden sein.

 

Das kann man so sagen. Ihr habt dem Song auf jeden Fall ein w├╝rdiges Denkmal gesetzt. Du sprachst eben den Metal an, bzw, die Metalszene. Wenn ich dich jetzt fragen w├╝rde, wie du die Musik von Stahlwerk kategorisch einordnen w├╝rdest, wie w├Ąre deine Antwort?

 

 

Das ist eine gute Frage. Wir haben darauf schon mal geantwortet mit “Aufger├Ąumter Punk”, was nat├╝rlich ein Witz war, denn Beides schlie├čt sich gegenseitig aus. Wir geben uns eigentlich die gr├Â├čte M├╝he, dass man unsere Richtung nicht so einfach verallgemeinern kann. Zumindest nicht so, dass man uns direkt mit anderen Bands vergleichen kann. Wir versuchen vielseitig und flexibel zu sein – was uns gef├Ąllt, beeinflusst uns auch. In welche Musikrichtung wir da letztendlich einzuordnen sind, ├╝berlassen wir den absoluten Kennern der Szene, davon gibt es ja genug. Aber richtige Musikkenner h├Âren sich unsere Musik wahrscheinlich gar nicht erst an, weil denen unser Cover zu billig ist. Und wenn doch, f├Ąnden sie es bestimmt zu humpelig. Bei uns ist jedenfalls fast alles m├Âglich, das halten wir uns offen. Nur Minnegesang, oder ganze Alben mit gezupfter Geige und Lagerfeuerromantik kann man bei uns ausschlie├čen. Daf├╝r sind wir nicht die richtigen Typen, bei uns muss das scheppern und krachen – wir brauchen L├Ąrm.

 

 

Wie kam es denn dazu, dass ihr euch entschieden hattet vom Album noch eine LP rauszubringen? Die Platte erlebt ja gegenw├Ąrtig ein regelrechtes Comeback.

 

 

OK, soweit sind wir gar nicht informiert – das freut uns nat├╝rlich. Dass alles nochmal auf Platte soll, hatten wir aber die ganze Zeit schon im Hinterkopf.

 

 

Wenn du dich jetzt f├╝r drei Titel eurer CD entscheiden m├╝sstest, welche drei w├Ąren das dann, bzw, welches sind deiner Meinung nach die besten auf dem Album?

 

 

Das ist unm├Âglich zu sagen. Jedes Lied hat seinen bestimmten Reiz und seinen bestimmten Grund f├╝r uns. Es l├Ąsst sich ja nicht mal sagen, welche Lieder wir streichen w├╝rden, wenn wir uns entscheiden m├╝ssten drei davon abzugeben. Wir hatten sogar einige Lieder, die wir komplett gestrichen haben, weil sie uns letztendlich nicht ganz so gepasst haben, als sie fertig waren. Dabei waren die nicht mal schlecht, aber in unseren Augen bzw. Ohren auch nicht gut genug. Bei uns fliegen solche Lieder komplett in den M├╝ll, werden nicht mal mehr zur Probe gespielt – die sind dann einfach weg, als w├Ąren sie nie dagewesen. Ich kenne von anderen Bands den Werdegang bei solchen Liedern, dass man zwar merkt, dass das ein oder andere nicht so pralle ist, man sich davon aber eben nicht ganz trennen kann oder will. Diese Lieder werden dann trotzdem vertont und kommen einfach ans Ende der zweiten H├Ąlfte der CD oder Platte. Ich erinner emich noch sehr gut an eines ┬áunserer Lieder, welches von uns “nur” gestrichen wurde, weil wir bef├╝rchten mussten, dass man den Sinn dahinter nicht ganz oder falsch versteht und sich dann eine Gruppe gewisser Leute, die wir aber ebenso sch├Ątzen, vielleicht angegriffen f├╝hlen. Sowas k├Ânnen wir, meiner Meinung nach, innerhalb der Bewegung, sollte das Lied auch noch so gut sein, nicht brauchen. Wir brauchen jeden loyalen Mann und jede loyale Frau bei unserer Sache. Einige verstehen immer noch nicht, dass wir uns einfach nicht in der Lage befinden, jemanden aus eigenen Befindlichkeiten auszugrenzen, sofern es sich um geradlinige Leute handelt. Jede Art von Spalterei dient nur dem Feind. Ist jemand einer anderen Person intellektuell nicht gewachsen, kann sich die Person doch lieber zur Aufgabe machen, denjenigen auf den gew├╝nschten Stand zu bringen – anstatt wie ├╝blich, diesen Kameraden ├Âffentlich blo├čzustellen und vor versammelter Mannschaft zum Teufel zu jagen. Es ist doch die entscheidende St├Ąrke einer gut funktionierenden Gemeinschaft einen eigenen Anh├Ąnger zu schulen und zu disziplinieren, anstatt sich selbst zu profilieren. Diese Leute sehen wir dann irgendwann bei den tausend Irren auf der anderen Seite wieder, w├Ąhrend wir uns mit hundert durch die Gassen quetschen. Ok, das wird jetzt zu ausschweifend und war auch nicht das Thema. Das brannte mir nur so nebenbei auf der Seele. Was ich damit sagen wollte, f├╝r diese ├ťberzeugung sind wir sogar bereit, wenn n├Âtig, unsere Lieder zu opfern.

 

Wo wir gerade beim politischen sind. Wie sinnvoll sind f├╝r euch Demonstrationen im Jahr 2021? Haben sie noch den gleichen Stellenwert wie vor 25 Jahren?

 

Die ├╝blichen Demos von meist denselben Organisatoren sind/waren unserer Meinung nach politisch selten sinnvoll, dien(t)en in den meisten F├Ąllen nur der Zurschaustellung von Manpower. In den 90’ern hatte das Ganze nat├╝rlich noch richtige Medienwirksamkeit, r├╝ckwirkend betrachtet wage man aber zu bezweifeln, ob man damit die gesellschaftliche Mitte erreicht hat, oder der Presse nur wieder genug Futter gab um das Spiegel TV-Klischee aufrecht zu erhalten und zu untermauern. Dazu wurden alle Art von aufrechten, jungen Deutschen mit ihrem Pflichtbewusstsein und ihrem Ehrgef├╝hl zu den Demos gelockt, oft auch verheizt und danach wieder ┬áausgegrenzt. Dennoch gibt es nach wie vor gewisse Pflichtveranstaltungen, denen man nur fern bleiben sollte, wenn man seinen Kopf schon im Arm tr├Ągt, f├╝r uns z├Ąhlt da besonders der 13.Februar in Dresden dazu.

Bei Pegida und Co sieht die Sache etwas anders aus. Zwar sind wir nicht ganz mit deren Ansichten und Zielen konform, aber die grobe Richtung ist uns f├╝r’s Erste n├╝tzlich und ist hingegen genau die gesellschaftliche Mitte, also die Leute die man erreichen sollte. Da war das Medieninteresse ja auch enorm und hat Parteien wie die AFD erst gro├č gemacht. Die naiven Ansichten und Ziele wiederum beruhen aber auf dem Einfluss von Geschichtsf├Ąlschung, Bildungs- und Informationsl├╝cken, selbst oder sogar gerade bei denen, die sich zu den Intellektuellen z├Ąhlen. Diese sind aber auch gleichzeitig politisch notwendiges Kalk├╝l um die grobe Richtung im Moment f├╝r die breite, zum Teil noch verblendete Masse ausreichend salonf├Ąhig zu machen. Wieviel Jahre sind wir denn mit der jetzigen Strategie auf der ┬áStelle getrampelt und kamen nicht vom Fleck. Wir halten es zumindest f├╝r sinnvoller die Mittel zu nutzen die man hat, auch wenn man da gewisse Dinge hinten anstellen muss. Die Feinabstimmung kann man dann nochmal aufgreifen wenn man in der richtigen Richtung genug Fahrt aufgenommen hat, die alten Herren von damals haben es letztlich nicht anders gemacht.

 

Wir m├╝ssen dann mal langsam zum Ende kommen. Wie sieht es denn bei euch in naher, oder auch ferner Zukunft aus? Ist da schon irgendwas in Planung?

 

Irgendwelche Pl├Ąne zu schmieden scheint derzeit schon eher sinnlos, da man nicht wei├č welche Affent├Ąnze die Regierenden noch veranstalten wollen. Wir verlassen uns ausschlie├člich auf uns, unsere Familie, unsere Br├╝der, Kameraden und Freunde. Zusammenhalt und Verlass kann man durch nichts ersetzen. Das hat die Vergangenheit mehr als genug bewiesen. Darauf setzen wir und darauf vertrauen wir.

 

 

Wir sind am Ende angelangt. Ich w├╝nsche euch alles Gute f├╝r die Zukunft. Die letzten Worte geh├Âren euch.

 

Wir bedanken uns f├╝r das Interesse und w├╝nschen euch ebenfalls alles Gute. Nur gemeinsam sind wir stark.

 

Moin zusammen. Vielen Dank erstmal daf├╝r, dass ihr euch die Zeit f├╝r dieses Interview nimmt. Wie kam es denn zu eurer Bandgr├╝ndung?

 

Die Frage des genauen Momentes der Bandgr├╝ndung l├Ąsst sich in unserem Fall schlecht nachvollziehen, da letztendlich viele Faktoren und Entwicklungsstufen zur jetzigen Formation ausschlaggebend waren. Der urspr├╝ngliche Grund Musik zu machen und damit der Furz zur Gr├╝ndung einer Band, bekam ich jedenfalls durch meinen langj├Ąhrigen Freund und jetzigen Bassisten St├╝rmer. Wir hatten damals unbegrenzten Zugang zu einer Discobar und trafen uns dort regelm├Ą├čig hinter verschlossenen T├╝ren, um im Rahmen von weiteren guten Freunden, der passenden Musik, sowie der Unterst├╝tzung des ein oder anderen Kaltgetr├Ąnks ├╝ber die wichtigen Fragen des Weltgeschehens zu philosophieren. Der Gedanke, sich am Tonequipment und den rumstehenden Instrumenten zu vergreifen war nur eine Frage des Pegels. Schnell wurde daraus ein mehr oder weniger ernsthafterer Zeitvertreib und so n├Âtigte mich mein Freund (der damals f├╝r die Stimme vorgesehen war) Bass zu lernen. Es sei schlie├člich total leicht, das bek├Ąme ich schon irgendwie hin. Schlie├člich wollten wir nur Musik f├╝r UNS machen, als Zeitvertreib sozusagen. Ich besch├Ąftigte mich also mit dem Bass und sah es naheliegend mir eine Gitarre zu besorgen, da sich meiner Meinung nach das Handling und die Fingerfertigkeit um einiges komfortabler ├╝ben lassen, als langweilig alleine auf einem Bass rum zu zuppeln. Mein anstrengender und oft nerviger Ehrgeiz f├╝hrte allerdings dazu, dass ich innerhalb k├╝rzester Zeit ganz passabel Gitarre spielen konnte und den damaligen Gitarristen abl├Âste. Schnell wurde mir aber mit meinem neuen “K├Ânnen” langweilig, zu oft kam es vor, dass ein anderes Bandmitglied keine Zeit hatte oder es anderweitig nicht voranging. Also kam der Gedanke selbst eine Band zu gr├╝nden. Bei einer Gartenfeier unterbreitete ich einem anderen Freund mein Vorhaben und ├╝berredete ihn schlie├člich Bass zu lernen, hatte ja bei mir auch geklappt. Viel wichtiger war jedoch, dass dieser Freund es schaffte unseren anderen, gemeinsamen Freund Meschke(der gerade erst aus der Haft entlassen wurde) zu ├╝berreden, sich am Gesang zu probieren, der sich alleine durch mich nicht h├Ątte ├╝berreden lassen-hatte er doch den besseren Draht zu ihm. Und damit stand die erste Formation von Stahlwerk. Das d├╝rfte so um 2005 gewesen sein. Ich denke das kann man am Ehesten als Zeitpunkt der Gr├╝ndung bezeichnen.

 

Wie kam es denn dann zu dem Bandnamen Stahlwerk? Einfach so in den Raum geworfen, oder gab es mehrere Vorschl├Ąge?

 

Das ist schon eine ganze Weile her, sicherlich gab es da auch andere Ideen und Vorschl├Ąge. Letztendlich sollte ein Name her, der unsere Heimat repr├Ąsentiert und gleichzeitig daran erinnern soll, wie wir aufgewachsen sind und was uns gepr├Ągt hat. Das Edelstahlwerk ist in unserer Stadt schon immer allgegenw├Ąrtig. Es gab damals kaum eine Familie, die beruflich nicht mit dem Stahlwerk oder den verkn├╝pften Z├╝nften, wie dem Bergbau zu tun hatte. Das Aufwachsen in den Arbeitervierteln hatte zwar auch seine Schattenseiten, trotzdem m├Âchte man es nicht missen und ist stolz drauf. Wir haben als Kinder mit Rotz im Gesicht auf der Halde gespielt und uns mit Dreck beworfen. Wir hatten kein teures Spielzeug, aber wir hatten uns. So oder so ├Ąhnlich ist es auch heute noch.

 

Sch├Âner, heimatverbundener Name. Haben in der Form ja nicht viele K├╝nstler. Erz├Ąhle mal was zu der Entstehungsgeschichte des Covers eurer neuen CD. Das ist ja stark angelehnt an ein bekanntes Cover von Iron Maiden. Sind welche aus eurer Band Anh├Ąnger der Musik von dieser Band?

 

Wer kennt sie nicht, die sch├Ânen alten Metalscheiben, mit dem meist martialischen Covergestaltungen die damals die zerfetzten Jeanskutten der Metaller zierten. Komische, Haare schleudernde Gestalten – aber was f├╝r eine geile Musik damals. Hart, ehrlich, aggressiv… ob Metallica, Maiden, Manowar, aber auch AC/DC- es ging alles rein, v├Âllig Wurscht mitunter was der S├Ąnger gr├Âlte, das war meistens zweitrangig. Ich erinnere mich gut, als ich vor einiger Zeit mit meinem kleinen, gest├Ârten Kumpel Erich zusammen sa├č und wir ├╝ber Musik diskutierten. Dabei sind wir auf den Nenner gekommen, dass einem bei der stetig immer gleicher werdenden Musik in unserer Szene, nichts anderes ├╝brig bleibt, als ├Âfter mal auf die alten Metalscheiben zur├╝ckzugreifen, will man der Musik nicht ├╝berdr├╝ssig werden. Wenn man diese Zeitreise unternimmt, fallen einem haupts├Ąchlich zwei Sachen auf: 1. Dass unser geliebter RAC davon zwar sehr beeinflusst wurde, es einem aber so vorkommt, als h├Ątte man die H├Ąlfte dort vergessen mitzunehmen. Irgendwie muss man musikalisch wieder zur├╝ck in die Zeit, um das aufzuarbeiten was man da zur├╝ckgelassen hat. Ich besprach meine Erleuchtung mit den Jungs in der Band und wir beschlossen diese Erkenntnis in unsere neue Scheibe mit einflie├čen zu lassen. H├Ârt man sich das ein oder andere Lied und den ein oder anderen Part aufmerksam an, ist es nicht zu ├╝berh├Âren.

2. Bei den schon oben erw├Ąhnten Covergestaltungen f├Ąllt einem nicht nur auf, wie ausgekl├╝gelt und aufw├Ąndig sie gestaltet sind, sondern wie selbstverst├Ąndlich in diesen Bildern, Themen wie Krieg, Zerst├Ârung und Gewalt behandelt bis verherrlicht werden. Was wiederum die Frage aufwirft, gab es das unter den Kriegsschuld-gebeutelten Deutschen in der Metalszene auch? Ich kann mich zumindest nicht an gewalt- oder kriegsverherrlichendes (auch nur vermeintlich verherrlichendes) Material von den Scorpions erinnern. Oder anders gefragt, h├Ątten deutsche Vertreter, sofern sie sich das ├╝berhaupt trauten, solche Bilder damals an der Zensur vorbeigekriegt? ├ähnliche Parallelen sind mir aber, etwas primitiver zwar, zum Beispiel von Kahlkopf bekannt. Ich beschloss da also in der Richtung auch nochmal “nachzuhaken”. Besonders stie├č mir dabei das legend├Ąre Maiden Cover “The Trooper” auf. Was ├╝bersetzt – was f├╝r ein Zufall – wie beim Kahlkopf Cover auch Soldat hei├čt. Iron Maiden, die in Bezug ihrer englischen Geschichte zum Krieg, bildlich eine ├╝bermenschliche Kriegsmacht in Form eines einzelnen Soldaten stilisieren…naja ich finde, die haben da geschichtlich was durcheinander gebracht. Deswegen steht bei unserem Cover auch das Wort “Idealist”, anstelle des “Trooper” (Soldat) von Maiden, als Hinweis auf einen kleinen, aber feinen Unterschied. Dass letztendlich das Cover f├╝r Diskussionen sorgt, da nur Wenige die eigentliche Tiefgr├╝ndigkeit erkennen werden und sich schlichtweg darum streiten, einen deutschen Soldaten als Monster (Eddie) verunglimpfen zu d├╝rfen oder nicht, war mir schon bewusst, aber die ehrliche Absicht dahinter spricht mich frei.

 

Das stimmt was du sagst. Aber ist es nicht auch teilweise so, dass sich der Rechtsrock mit den Jahren weiterentwickelt hatte, w├Ąhrend manche Metalbands, ├╝berspitzt gesagt, im Jahre 1991 stehengeblieben sind (Slayer, Megadeath)?

 

Ja selbstverst├Ąndlich, das ist zum Teil auch gut so. Ich f├╝r meinen Teil mag die neuen Sachen in unserer Szene auch sehr. Genauso bin ich aber auch der Meinung, dass man viele Einschl├Ąge in der Vergangenheit h├Ątte mehr ausreizen k├Ânnen. Das sollte man doch nicht unverarbeitet ad acta legen, nur weil man unbedingt dem Neuen und Angesagten hinterher jagen muss. Und gerade bei den Oldies unserer Szene wippt doch der Fu├č noch automatisch. Es gibt da noch viel offenes Material, welches man aufarbeiten und mit den neuen technischen Mitteln auf einen neuen Stand bringen kann.

 

Ihr habt ja auf der CD einige Klassiker gecovert. Wie kamt ihr auf die Idee und warum genau diese Lieder? Gab es seitens der anderen Mitglieder noch weitere Vorschl├Ąge?

 

Da gab es viele Lieder zur Auswahl. Was die Band angeht, arbeiten wir nicht st├Ąndig mit Hochdruck an irgendwelchen Eigenprojekten mit Stress im Nacken wie Hamster im Laufrad, wir experimentieren und probieren auch viel, einfach weil es sich gerade ergibt, oder weil man da schon immer mal Lust dazu hatte. Da besch├Ąftigt man sich manchmal mit Sachen, die etwas weiter davon entfernt sind, was man eigentlich so macht. Oder es entstehen einfach Lieder, die aus der Reihe tanzen. Deswegen hei├čt die Bonus-Scheibe auch “Im Proberaum brennt noch Licht”. Daf├╝r standen auch noch mehr Lieder zur Verf├╝gung, leider standen die aber schon auf dem Index und schieden somit leider aus. Zur engeren Auswahl kamen dann Lieder, die wir zum Einen pers├Ânlich am besten fanden und zum Anderen eher schwierig zu covern sind, um die Messlatte m├Âglichst hoch zu legen. Dabei ist es uns wichtig m├Âglichst nahe am Original zu bleiben, aber dennoch, mit kleinen Nuancen dem jeweiligen Lied einen neuen und eigenen Anstrich zu verleihen.

 

Ihr habt euch ja mit dem Vorhaben, den Song “One Family” von Brainwash ins Deutsche zu ├╝bersetzen, ganz sch├Ân was aufgeladen. Das war bestimmt nicht einfach. Seid ihr denn am Ende mit allen Coversongs zufrieden?

 

Ja das stimmt, das war eine schwere Kiste, wie du schon sagst. Alleine die ├ťbersetzung so hinzubekommen, dass sie vom Sinn her nicht abweicht, aber trotzdem ├╝ber akzeptable und fl├╝ssige Schlagw├Ârter verf├╝gt, war ein Fall f├╝r sich. Der Text im Original ist spitzenm├Ą├čig, w├╝rde man ihn aber 1 zu 1 ins Deutsche ├╝bersetzen, w├╝rden sich viele Passagen etwas schwul anh├Âren. Jeder der sich mit Musik auskennt, wei├č wie schwer es ist, etwas l├Ąssiges aus dem Englischen ins Deutsche zu holen, ohne dass es an Flow verliert, oder, auf Deutsch gesagt, klingt wie Stock im Arsch. Das sich dann mit der Stimme von unserer Frontsau Meschke die Geister scheiden werden, war uns von Anfang an bewusst. Die Einen m├Âgen es, die Anderen eben nicht, soll ja keine 1 zu 1 Kopie sein und sollte es auch nie werden. Es soll unsere Interpretation und unser bescheidener Beitrag sein, diese Bombe von Lied w├╝rdig in unsere Sprache zu holen und das war meiner Meinung nach, bei diesem Lied f├Ąllig.

Ja und allgemein was unsere Cover angeht, sei bemerkt: das Original bleibt immer das Original, diesen Rang will auch niemand streitig machen. Ich denke da gerade an unser Triebt├Ąter – Cover, ein ebenfalls harter Knochen. F├╝r einen H├Ârer, der ein Original liebt und perfekt findet, wird ein Cover immer komisch klingen, oder zumindest nicht an das Original herankommen – das soll es in dem Fall auch nicht. Wir wollen uns nicht erdreisten uns mit Chris zu messen – nichts kommt an das legend├Ąre Album heran – viel mehr wollen wir es vor dem Staub der Zeit bewahren und es wieder in die Gegenwart katapultieren. Mein alter schwedischer Musiklehrer Tyske Spritlik, von dem ich viel lernen durfte, vertrat folgende Meinung ├╝ber Cover:┬á“Die Stimme ist immer Geschmackssache, vorausgesetzt die T├Âne werden getroffen. Spielerisch d├╝rfen Cover nie schlechter sein als das Original, denn letztendlich soll es eine W├╝rdigung sein.” Ja anhand von diesen Kriterien k├Ânnen wir, denk ich, zufrieden sein.

 

Das kann man so sagen. Ihr habt dem Song auf jeden Fall ein w├╝rdiges Denkmal gesetzt. Du sprachst eben den Metal an, bzw, die Metalszene. Wenn ich dich jetzt fragen w├╝rde, wie du die Musik von Stahlwerk kategorisch einordnen w├╝rdest, wie w├Ąre deine Antwort?

 

 

Das ist eine gute Frage. Wir haben darauf schon mal geantwortet mit “Aufger├Ąumter Punk”, was nat├╝rlich ein Witz war, denn Beides schlie├čt sich gegenseitig aus. Wir geben uns eigentlich die gr├Â├čte M├╝he, dass man unsere Richtung nicht so einfach verallgemeinern kann. Zumindest nicht so, dass man uns direkt mit anderen Bands vergleichen kann. Wir versuchen vielseitig und flexibel zu sein – was uns gef├Ąllt, beeinflusst uns auch. In welche Musikrichtung wir da letztendlich einzuordnen sind, ├╝berlassen wir den absoluten Kennern der Szene, davon gibt es ja genug. Aber richtige Musikkenner h├Âren sich unsere Musik wahrscheinlich gar nicht erst an, weil denen unser Cover zu billig ist. Und wenn doch, f├Ąnden sie es bestimmt zu humpelig. Bei uns ist jedenfalls fast alles m├Âglich, das halten wir uns offen. Nur Minnegesang, oder ganze Alben mit gezupfter Geige und Lagerfeuerromantik kann man bei uns ausschlie├čen. Daf├╝r sind wir nicht die richtigen Typen, bei uns muss das scheppern und krachen – wir brauchen L├Ąrm.

 

 

Wie kam es denn dazu, dass ihr euch entschieden hattet vom Album noch eine LP rauszubringen? Die Platte erlebt ja gegenw├Ąrtig ein regelrechtes Comeback.

 

 

OK, soweit sind wir gar nicht informiert – das freut uns nat├╝rlich. Dass alles nochmal auf Platte soll, hatten wir aber die ganze Zeit schon im Hinterkopf.

 

 

Wenn du dich jetzt f├╝r drei Titel eurer CD entscheiden m├╝sstest, welche drei w├Ąren das dann, bzw, welches sind deiner Meinung nach die besten auf dem Album?

 

 

Das ist unm├Âglich zu sagen. Jedes Lied hat seinen bestimmten Reiz und seinen bestimmten Grund f├╝r uns. Es l├Ąsst sich ja nicht mal sagen, welche Lieder wir streichen w├╝rden, wenn wir uns entscheiden m├╝ssten drei davon abzugeben. Wir hatten sogar einige Lieder, die wir komplett gestrichen haben, weil sie uns letztendlich nicht ganz so gepasst haben, als sie fertig waren. Dabei waren die nicht mal schlecht, aber in unseren Augen bzw. Ohren auch nicht gut genug. Bei uns fliegen solche Lieder komplett in den M├╝ll, werden nicht mal mehr zur Probe gespielt – die sind dann einfach weg, als w├Ąren sie nie dagewesen. Ich kenne von anderen Bands den Werdegang bei solchen Liedern, dass man zwar merkt, dass das ein oder andere nicht so pralle ist, man sich davon aber eben nicht ganz trennen kann oder will. Diese Lieder werden dann trotzdem vertont und kommen einfach ans Ende der zweiten H├Ąlfte der CD oder Platte. Ich erinner emich noch sehr gut an eines ┬áunserer Lieder, welches von uns “nur” gestrichen wurde, weil wir bef├╝rchten mussten, dass man den Sinn dahinter nicht ganz oder falsch versteht und sich dann eine Gruppe gewisser Leute, die wir aber ebenso sch├Ątzen, vielleicht angegriffen f├╝hlen. Sowas k├Ânnen wir, meiner Meinung nach, innerhalb der Bewegung, sollte das Lied auch noch so gut sein, nicht brauchen. Wir brauchen jeden loyalen Mann und jede loyale Frau bei unserer Sache. Einige verstehen immer noch nicht, dass wir uns einfach nicht in der Lage befinden, jemanden aus eigenen Befindlichkeiten auszugrenzen, sofern es sich um geradlinige Leute handelt. Jede Art von Spalterei dient nur dem Feind. Ist jemand einer anderen Person intellektuell nicht gewachsen, kann sich die Person doch lieber zur Aufgabe machen, denjenigen auf den gew├╝nschten Stand zu bringen – anstatt wie ├╝blich, diesen Kameraden ├Âffentlich blo├čzustellen und vor versammelter Mannschaft zum Teufel zu jagen. Es ist doch die entscheidende St├Ąrke einer gut funktionierenden Gemeinschaft einen eigenen Anh├Ąnger zu schulen und zu disziplinieren, anstatt sich selbst zu profilieren. Diese Leute sehen wir dann irgendwann bei den tausend Irren auf der anderen Seite wieder, w├Ąhrend wir uns mit hundert durch die Gassen quetschen. Ok, das wird jetzt zu ausschweifend und war auch nicht das Thema. Das brannte mir nur so nebenbei auf der Seele. Was ich damit sagen wollte, f├╝r diese ├ťberzeugung sind wir sogar bereit, wenn n├Âtig, unsere Lieder zu opfern.

 

Wo wir gerade beim politischen sind. Wie sinnvoll sind f├╝r euch Demonstrationen im Jahr 2021? Haben sie noch den gleichen Stellenwert wie vor 25 Jahren?

 

Die ├╝blichen Demos von meist denselben Organisatoren sind/waren unserer Meinung nach politisch selten sinnvoll, dien(t)en in den meisten F├Ąllen nur der Zurschaustellung von Manpower. In den 90’ern hatte das Ganze nat├╝rlich noch richtige Medienwirksamkeit, r├╝ckwirkend betrachtet wage man aber zu bezweifeln, ob man damit die gesellschaftliche Mitte erreicht hat, oder der Presse nur wieder genug Futter gab um das Spiegel TV-Klischee aufrecht zu erhalten und zu untermauern. Dazu wurden alle Art von aufrechten, jungen Deutschen mit ihrem Pflichtbewusstsein und ihrem Ehrgef├╝hl zu den Demos gelockt, oft auch verheizt und danach wieder ┬áausgegrenzt. Dennoch gibt es nach wie vor gewisse Pflichtveranstaltungen, denen man nur fern bleiben sollte, wenn man seinen Kopf schon im Arm tr├Ągt, f├╝r uns z├Ąhlt da besonders der 13.Februar in Dresden dazu.

Bei Pegida und Co sieht die Sache etwas anders aus. Zwar sind wir nicht ganz mit deren Ansichten und Zielen konform, aber die grobe Richtung ist uns f├╝r’s Erste n├╝tzlich und ist hingegen genau die gesellschaftliche Mitte, also die Leute die man erreichen sollte. Da war das Medieninteresse ja auch enorm und hat Parteien wie die AFD erst gro├č gemacht. Die naiven Ansichten und Ziele wiederum beruhen aber auf dem Einfluss von Geschichtsf├Ąlschung, Bildungs- und Informationsl├╝cken, selbst oder sogar gerade bei denen, die sich zu den Intellektuellen z├Ąhlen. Diese sind aber auch gleichzeitig politisch notwendiges Kalk├╝l um die grobe Richtung im Moment f├╝r die breite, zum Teil noch verblendete Masse ausreichend salonf├Ąhig zu machen. Wieviel Jahre sind wir denn mit der jetzigen Strategie auf der ┬áStelle getrampelt und kamen nicht vom Fleck. Wir halten es zumindest f├╝r sinnvoller die Mittel zu nutzen die man hat, auch wenn man da gewisse Dinge hinten anstellen muss. Die Feinabstimmung kann man dann nochmal aufgreifen wenn man in der richtigen Richtung genug Fahrt aufgenommen hat, die alten Herren von damals haben es letztlich nicht anders gemacht.

 

Wir m├╝ssen dann mal langsam zum Ende kommen. Wie sieht es denn bei euch in naher, oder auch ferner Zukunft aus? Ist da schon irgendwas in Planung?

 

Irgendwelche Pl├Ąne zu schmieden scheint derzeit schon eher sinnlos, da man nicht wei├č welche Affent├Ąnze die Regierenden noch veranstalten wollen. Wir verlassen uns ausschlie├člich auf uns, unsere Familie, unsere Br├╝der, Kameraden und Freunde. Zusammenhalt und Verlass kann man durch nichts ersetzen. Das hat die Vergangenheit mehr als genug bewiesen. Darauf setzen wir und darauf vertrauen wir.

 

 

Wir sind am Ende angelangt. Ich w├╝nsche euch alles Gute f├╝r die Zukunft. Die letzten Worte geh├Âren euch.

 

Wir bedanken uns f├╝r das Interesse und w├╝nschen euch ebenfalls alles Gute. Nur gemeinsam sind wir stark.v

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