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Rock Hate Interview mit Jens von Kraftschlag

Interview mit Kraftschlag

 

Irgendwo in Mitteldeutschland, am Rande einer Dorfstraße, traf ich  Jens, dem SĂ€nger und Songschreiber der bekannten Rechtsrockband Kraftschlag, welche vor allem in den 90er Jahren fĂŒr bundesweite Schlagzeilen gesorgt hatte.

Das GesprĂ€ch wurde persönlich gefĂŒhrt und aufgezeichnet. Daher ist es sehr umfangreich geworden.

 

Zu Anfang die ĂŒbliche Frage. Du bist wann geboren? 1970?

68.

Und aufgewachsen in Hamburg?

Ja, im lĂ€ndlichen Schleswig-Holstein und spĂ€ter dann im Hamburger SpeckgĂŒrtel.

Man wird ja nicht von heute auf morgen Nationalist oder Skinhead. Wie war das denn bei dir? Wann hatte alles angefangen?

Das war so im Alter von 15. Damals war ja jeder entweder Punk, oder sonst irgendwas. Aber das war mir und auch anderen nicht elitĂ€r genug. SpĂ€ter kam dann die Skinhead-Bewegung auf und das ganze schwappte auch in die lĂ€ndliche Provinz rĂŒber. Mir hat das sofort zugesagt. Diese Kombination aus Smard und Hart, die Klamotten und das ganze Auftreten, – das war genau das was ich damals wollte. Man muss das so sehen, dass das ganze frĂŒher auch wie ein Abenteuer war. An Martens oder an eine Harrington-Jacke kam man nicht so einfach ran. Es gab zwar einen Laden in Hamburg, der diese Sachen im Angebot hatte, aber ansonsten war es sehr schwierig an die Klamotten zu kommen. Nicht so wie heute, wo man online jeden Scheiß bekommt und noch zwischen mehreren Marken auswĂ€hlen kann. Tja, so fing das damals alles an und ich merkte sofort, dass das genau das richtige fĂŒr mich war.

Aber die Politik kam erst spÀter hinzu?

Wesentlich spĂ€ter nun auch nicht. 15 KM von uns aus entfernt wohnte ja Michael KĂŒhnen von der ANS. In deren Sitzungssaal waren wir an den Wochenenden auch öfters zu Gast und haben den ganzen Reden zugehört. Ja und in Hamburg gab es dann ja auch die FAP. Da waren wir mit 18 Jahren auch öfters zu Gast und fĂŒr mich stand sehr frĂŒh schon fest, dass ich in erster Linie Nationalist bin. Von daher war man sehr frĂŒh weltanschaulich gefestigt.

Wie hast du zu KĂŒhnen gestanden? Also abgesehen davon das er schwul war.

Ja gut, das war ja der eigentliche Vorwurf. Es war ja frĂŒher so gewesen, dass sich KĂŒhnen zusammen mit Worch und anderen abgespaltet hatte und dann auch noch so wirre Thesen veröffentlichte, in welchen er davon sprach, dass z.B. die alten (schwulen) Spartaner die besten Krieger waren, da die ja nicht auf quengelnde Frauen und Kinder RĂŒcksicht nehmen mussten und es daher ja eh besser gewesen wĂ€re, wenn alle MĂ€nner der SX und der Wehrmacht schwul gewesen wĂ€ren. Also das war ja genau das Gegenteil von dem, wofĂŒr ich einstand und somit war fĂŒr mich, aber auch fĂŒr andere Kameraden das Thema KĂŒhnen sehr schnell erledigt.

Warst du denn dann woanders politisch aktiv, wie z.B. in der NPD, oder Àhnlichen Organisationen?

Die NPD war damals eine Partei von steinalten Greisen. Das war alles ziemlich muffig und verstaubt. Da gab es keine Demos und gar nichts. Also bei weitem nicht so wie man das heute kennt. Ganz anders war das bei der NF, oder auch bei der FAP: Kameradschaftstreffen, Demos, Saalschutz, SchlĂ€gereien mit Linken am Hamburger Hafen, – das war schon wesentlich attraktiver und spannender fĂŒr die Jugend gewesen. Die NPD war hingegen vollkommen bedeutungslos.

In Hamburg war die linke Szene  damals ja schon richtig stark, oder?

Ja gut, aber das gehörte einfach zum Skinheadleben dazu. Wir hatten unsere Szenekneipen auf St.Pauli und da hatte es andauernd mit Zecken geknallt. Das war ja auch gar kein Thema und problemlos möglich. Ganz anders als heute, wo jeder BĂŒrger ein Handy dabei hat, damit Videobeweise aufzeichnen kann und dann mal eben die Bullen anruft. Damals gab es das alles nicht. Und wie gesagt,- es gehörte einfach dazu. Das schlimmste was man sich in 30 Jahren mal zugezogen hatte, war ein gebrochener Arm, oder ein paar blaue Augen, aber nichts wirklich Dramatisches.

Und wie kamst du dann zur Musik?

Wir waren ja frĂŒher auch oft im Proberaum von Commando PXXX und irgendwann wollte ich dann auch mal selber Musik machen.In der Nachbarstadt gab es eine Kneipe wo ein paar Glatzen im Keller geprobt hatten, bzw, sie haben versucht Musik zu machen, denn viel mehr als zwei Griffe hatten die damals nicht drauf. Tja, und ich hab mir dann mal ein StĂŒck Papier und einen Stift zur Hand genommen und einfach mal was hingekritzelt, bis ich  meinen ersten Text fertig hatte. Dann hab ich mir das Mikro geben lassen und losgelegt. Und wenig spĂ€ter hieß es: Wir sind Kraftschlag.

Wer kam auf den Namen?

Ich glaub, wir hatten uns mal ĂŒber eine SchlĂ€gerei unterhalten, in deren Verlauf einer sagte:“ Und dann gab ich dem einen krĂ€ftigen Schlag in die Fresse“. Ja und durch den „krĂ€ftigen Schlag“ kam es dann zu Kraftschlag. Wir fanden das irgendwie passend. Und somit war das unser Name.

Und dann ging es richtig los mit der Musik?

Ja, aber im Gegensatz zu anderen, die sofort ein Voll-Album rausbringen, haben wir erstmal drei Jahre lang geĂŒbt und uns einen Namen gemacht, bevor  letztendlich die „Trotz Verbot“ erschienen ist. Wir wollten eben NICHT irgendeinen Scheiß auf den Markt bringen, sondern es sollte auch gut klingen.

Als dann die „Trotz Verbot“ rauskam, – war das einfach eine andere Zeit? Also wenn der SĂ€nger meiner ehemaligen Band mir mit solchen Texten angekommen wĂ€re, hĂ€tte ich den gefragt ob er noch alle Latten am Zaun hat, da ich keinen Bock habe in den Knast zu wandern. Eure Texte waren ja damals ziemlich radikal und eindeutig. Hat man sich ĂŒber mögliche Konsequenzen keine Gedanken gemacht?

Nee, nicht wirklich. Außer „Der nette Man“ von den Onkelz stand ja nichts auf dem Index. Und von Gema und FSK hatten wir keine Ahnung. Es gab ja auch Lieder von der Zeckenband Slime wo es hieß „Haut die Bullen platt wie Stullen“ oder „Deutschland verrecke“. Die waren ja auch ziemlich radikal. Also habe ich eben die GegenstĂŒcke dazu geschrieben, ohne mir großartig Gedanken zu machen. Und weder unser Produzent, noch unser Tontechniker hatten Probleme mit den Texten gehabt und sie wussten ja ganz genau welche Band sie mit uns angeheuert hatten. Da wurde nicht groß drĂŒber nachgedacht.

Und als dann die Anklageschrift kam warst du ziemlich ĂŒberrascht?

Ja gut, die Verhandlung war ja nur am Amtsgericht. Also dort wo man vorher schon wegen frisierten Mofas und Ă€hnlichem Kleinscheiß gesessen hatte. Dass das dann so große Wellen geschlagen hatte und Kamerateams von RTL-Nord bis hin zu Journalisten der BILD-Zeitung  vertreten waren, – damit hatte nun keiner gerechnet. War aber eine lustige Verhandlung. Wir hatten ungefĂ€hr 30 Kameraden mit im Saal, die jede Textpassage aus den Liedern beklatscht haben. Dann hatten wir mit JĂŒrgen Rieger einen richtigen Staranwalt, welcher sich medienwirksam mit dem CD-Cover hat ablichten lassen und der BefangenheitsantrĂ€ge ohne Ende gestellt hatte. War schon ein Heidenspaß das Ganze.

Am Ende gab es dann BewĂ€hrung fĂŒr alle?

Genau. BewĂ€hrung fĂŒr alle. Wir waren die erste Band die wegen ihren Texten vor Gericht stand. Ein paar Monate spĂ€ter hatte es dann Störkraft erwischt. Ich glaube fĂŒr die gab es sogar nur Geldstrafen. Ja und das war es ja dann auch schon.

Seid ihr dann als Band zusammengeblieben, oder sind kurz danach schon die ersten abgehauen?

Erstmal blieben wir zusammen. Als es dann 1,5 Jahre spĂ€ter die Berufungsverhandlung gab, bei der das Urteil bestĂ€tigt wurde, haben  anschließend zwei Mitglieder die Band verlassen. Danach haben wir uns erstmal eine Pause gegönnt. Ich besuchte weiterhin Konzerte und hab auf diesem Weg Steve von Entwarnung kennengelernt und noch ein paar andere Musiker. Das hat dann dazu gefĂŒhrt, dass wir gesagt haben, wir lassen Kraftschlag nicht so einfach sterben. Der Hintergrund war der, dass die Frauke Ludowig von RTL beim „Trotz Verbot“-Prozess vor dem Gericht gesagt hatte, dass es zwar schade sei, dass es keine Knaststrafen fĂŒr uns gab, aber mit dem Urteil sei auf jeden Fall sicher, dass die musikalische Karriere von Kraftschlag beendet sei..

Hat die Ludowig das so in die Kamera gesagt?

Genau. Und das konnten wir so nicht stehen lassen J

Wie gesagt, wir hatten uns aber erstmal eine Pause gegönnt und ich bin dann so 1994/95 nach Schweden gezogen mit meiner damaligen Freundin. Dort habe ich dann gelebt und gearbeitet und auf einmal kam von Nordland Records eine Anfrage, ob wir mit Kraftschlag nicht bei denen was aufnehmen möchten. Davon waren wir natĂŒrlich begeistert und hatten sofort zugesagt. Mit Heiko und Steve, die damaligen Bandmitglieder, sind wir dann in das Studio von Ultima Thule gefahren, welches wir uns fĂŒr eine Woche gemietet hatten. Ulf, der Schlagzeuger von Ultima Thule hat dann fĂŒr unsere CD sein Können beigesteuert.

FĂŒr die NordXXX?

Ja genau, fĂŒr die NordXXX. Die war damals auch die bestverkaufte CD von Nordland Records.

Kannst du da Zahlen nennen?

Also ich habe damals nach der Veröffentlichung 3000 Exemplare mitgenommen und die auf einem Konzert alle verkauft, bis man dann von den Bullen verhaftet wurde. War aber ein lustiges Erlebnis. No Remorse hatte die Bullen aus dem Haus heraus mit Leuchtspurmunition beschossen, wĂ€hrend wir von der BĂŒhne gekloppt wurden, es eine große Hauerei gab und man dann am Ende mit Kabelbindern gefesselt im Dreck lag. Am nĂ€chsten Morgen musste ich erstmal meine Bandmitglieder einsammeln. Ja, das war schon ein Heidenspaß und eine geile Zeit. Also mit Nachpressung wurde diese CD, glaube ich, so an die 10 000 Mal verkauft. FĂŒr ein schwedisches Label war das schon richtig viel.

Und danach folgte der Wechsel zu Funny Sounds?

Genau. Das war dann nach meiner RĂŒckkehr nach Deutschland. Eines Tages kam ein Anruf von Funny Sounds mit der entsprechenden Anfrage, ob wir bei denen was einspielen wĂŒrden. Ich hatte nie viel vom Lemmer gehalten. Aber die Produktionen waren zur damaligen Zeit sehr hochwertig und mit dem Rock Nord gab es ein sehr professionelles Hochglanzmagazin. Also das hatte uns schon angesprochen, vor allem weil man dann ja auch mit der Musik stark in die Breite und in die Offensive gehen konnte. Aber Lemmer kam dann auf uns zu mit anwaltlichen Gutachten hier und Streichungen da,
also das war nicht unbedingt unser Stil, da wir ja eine Band waren, die ihre Meinung ohne Zensur gerade heraus sagte. Nun gut. Wir waren ja zu dritt und haben uns dann gedacht, wir knallen dem Lemmer so ein unverschĂ€mtes Angebot hin, dass der das auf jeden Fall ablehnen wĂŒrde.

Hatte er das Angebot  abgelehnt?

Nein. Er hatte es tatsÀchlich angenommen. Tja, und dann haben wir uns mal zusammengesetzt und besprochen, wie das jetzt alles ablaufen soll. Als Band hatten wir uns darauf geeinigt, dass das Ganze eine Doppel-CD mit 20 Liedern werden sollte. Aber Lemmer wollte das schnelle Geld machen und hat daraus 4 Mini-CDs mit jeweils 5 Liedern gemacht.

Ohne RĂŒcksprache?

Ohne RĂŒcksprache. Nicht ein Wort. Danach war der Ärger natĂŒrlich groß. Denn es wurden von jeder Mini-CD jeweils 15 000 bis 17 000 Exemplare verkauft. Und wir als Band, konnten uns dann ĂŒberall rechtfertigen fĂŒr etwas, wofĂŒr wir gar nichts konnten. Es war ja nicht unsere Entscheidung gewesen.

Zur selben Zeit gab es ja das berĂŒhmte Konzert in Solingen, wodurch es am Ende zu einer Haftstrafe fĂŒr dich kam. Erstmal die Frage: warum in Solingen? Wegen Steve?

Genau, wegen Steve. Er kam ja damals aus eurer Ecke und hatte gefragt ob wir nicht Lust auf ein Konzert dort hĂ€tten. Er wollte erst ein paar Lieder von Entwarnung spielen und dann noch gemeinsam etwas von Kraftschlag. Das alles dann vor 100 geladenen GĂ€sten, – also nur bekannte Leute. Und aus dem Grund hatten wir dann auch textlich an dem Abend kein Blatt vor dem Mund genommen. Aber leider hatte ein Arschloch seine V8-Kamera in die Ecke gestellt und alles mitgefilmt.

Hatte denn keiner gesehen, dass der da eine Kamera aufgestellt hatte?

Nein, hatte leider keiner gesehen. Am Ende des Konzerts kamen dann die Bullen reinmarschiert. An sich kein Problem. Man kannte das ja mittlerweile und außerdem war das Konzert eh schon vorbei. Wir wurden also erstmal alle durchsucht so wie die Bullen das immer machen. Nur dummerweise hatte der Typ sich seine Aufnahmen auf Kassette in seine Jackentasche gesteckt, welche natĂŒrlich auch gefunden wurde. Er hĂ€tte wirklich genug Zeit gehabt das Teil zu vernichten, aber er wollte wohl nicht auf seine Videoaufnahmen verzichten.

Und wie ging es dann weiter?

Die Aufnahmen wurden natĂŒrlich ausgewertet und irgendwann kam es dann auch zur Anklageschrift mit einem Prozess vor dem Oberlandesgericht, da das Konzert ja schließlich nicht irgendwo, sondern in der bekannten Stadt Solingen stattgefunden hatte. Und als SĂ€nger wusste ich natĂŒrlich sofort, dass ich diesmal nicht mit einer BewĂ€hrungsstrafe davonkommen wĂŒrde. Und so war es dann ja auch.

Als du dann deine Haftstrafe antreten musstest war Kraftschlag noch bei Lemmer unter Vertrag?

Ja genau.

Hatte der dann nicht verlangt, dass du noch vor dem Haftantritt ein paar Alben einspielen musst, bzw, ihr als Band?

Eigentlich war das unsere Idee. Wir hatten im Sommer 1999 noch zwei Alben eingespielt. Einmal die „10 Jahre“ und einmal die Split-CD mit der schwedischen Band Storm. Tja und Lemmer hatte dann als ich in Haft saß, so im Jahre 2000, einen kleinen Konkurs hingelegt. Die Alben waren vom Studio noch nicht fertig abgemischt, sondern nur als „Vorab-CD“ vorhanden, da er das Studio nicht mehr bezahlt hatte. Diese Aufnahmen von uns, sowie noch weitere, nicht abgemischte Aufnahmen von HKL und Sturmwehr, haute er dann im Paket fĂŒr 100 Euro raus, zockte noch zusĂ€tzlich 10 000 Abonennten ab und machte sich vom Acker.

Als ich dann aus dem Knast rauskam, musste ich erstmal versuchen zu retten, was noch zu retten war, in dem ich die fertigen Abmischungen der CDs aus eigener Tasche bezahlt hatte. Auf denen war die KlangqualitĂ€t natĂŒrlich wesentlich besser.

Ich will nochmal kurz auf die legendĂ€re Sendung „Einspruch“ zu sprechen kommen. Störkraft standen ja mit Lemmer zusammen unten in der Runde mit dem Moderator und den anderen linken GĂ€sten. Hatte man dich auch gefragt daran teilzunehmen?

Klar. Ansonsten hĂ€tte ich die Einladung auch gar nicht angenommen. Am Anfang sollte es so laufen, dass Störkraft und Ich dort unten stehen wĂŒrden. Doch auf dem Weg zum Studio kam der Moderator an und meinte, dass es jetzt so laufen wĂŒrde, dass Störkraft und Lemmer unten stehen wĂŒrden, aber ich auf jeden Fall mit einer garantierten Redezeit von 5 Minuten aus dem Publikum zugeschaltet werde. Denn Lemmer wollte unbedingt dabei sein und hatte gedroht, dass wenn er nicht dabei sein darf, auch Störkraft nicht daran teilnehmen wĂŒrden. Und was die drei sich dann geleistet haben war absolut peinlich. HĂ€tte ich dort unten gestanden, dann hĂ€tte die Sendung einen ganz anderen Verlauf genommen. Denn im Gegensatz zu Störkraft und Lemmer, hatte ich wenigstens im Vorfeld recherchiert und wusste genau wer Rio Reiser und die anderen Vögel waren, die man gegen uns in Stellung gebracht hatte. Den Reiser hĂ€tte ich mit seinen gewalttĂ€tigen Texten konfrontiert und auch die anderen beiden wĂ€ren fĂŒr mich keine Gegner gewesen. Stattdessen musste ich mir aber das Schauspiel von Störkraft anschauen. Das hatte mich schon geĂ€rgert im Nachhinein.

War das damals eigentlich eine Live-Sendung, oder wurde das aufgezeichnet?

Aufgezeichnet. 6 Stunden zeitversetzt. Das Studio roch auch noch extrem, nachdem die Linken ja ihren ButtersĂ€ure Anschlag verĂŒbt hatten und als die Sendung vorbei war, mussten wir mit Polizeibussen aus der „Gefahrenzone“ weggebracht werden, wĂ€hrend die Linken die Bullenwagen mit Steinen beworfen hatten.

Also hatte es anschließend noch gut geknallt?

Ja, da war ordentlich was los. Irgendwo auch klar. Das Studio war ja in Berlin.

Hattest du zur damaligen Zeit auch Kontakt zum Jörg von Störkraft und zu seiner Band?

Klar. Wir hatten ja in der Zeit 1991/92 einige Konzerte zusammen gespielt mit Bands wie Bound for Glory, Final Solution, Radikal usw. Das war aber auch normal. Man kannte sich halt untereinander, da man wirklich fast jedes Wochenende auf irgendeinem Konzert war.

Wir erklĂ€rst du dir heute den Abgang von Jörg und Störkraft. Wollten die den Weg der Onkelz gehen. Oder anders ausgedrĂŒckt: Wollte Jörg den Kevin 2.0 spielen?

Da kann ich nur spekulieren. BegrĂŒndet hatten sie das damit, das da ja einige Geldstrafen zusammengekommen wĂ€ren und die Alben beide auf dem Index gelandet sind. Hinzu kamen dann noch solche Sachen wie Mölln, Solingen oder LĂŒbeck, wo sie dann meinten, dass sie das nicht mehr tolerieren könnten usw


Und das warÂŽs dann?!

Jo. Das war es dann mit Störkraft.

Kleiner Zeitsprung. Nach der Jahrtausendwende, vor allem nach der „Hits vom Index 1“, wurde es ziemlich ruhig um Kraftschlag. Gab es da GrĂŒnde fĂŒr?

Konkrete GrĂŒnde nicht. Man wurde ja auch Ă€lter und ist nicht mehr auf alle Konzerte gefahren. Dazu kommt dann noch, dass man mittlerweile Familie mit Kindern hatte und man musste ja nun nicht unbedingt jedes Jahr eine neue Scheibe rausbringen.

Also kein Mangel an Ideen?

Ich sag mal so: wenn man 10-12 Alben rausgebracht hat, dann gibt es irgendwann nicht mehr viel, was man nicht schon besungen hatte. Und sich selber immer wieder zu kopieren ist das dĂŒmmste was man als Band machen kann. Dann wartet man lieber mal ein paar Jahre, so dass man den Leuten auch mal mit neuem Schwung was prĂ€sentieren kann, was eben nicht schon tausendmal durchgekaut wurde. Lieber mal ein paar Jahre ins Land ziehen lassen, als sich ideenlos zu wiederholen und zu kopieren.

Und wie kam es zu der „Hits vom Index 1“?

Wir dachten uns damals, dass es nun so viele richtig gute Songs von Kraftschlag gibt, die aber entweder indiziert sind, oder aus sonstigen GrĂŒnden eh nie wieder nachgepresst werden. Und welcher Musiker möchte nicht gerne mal seine alten Songs neu vertonen und besser machen. Also setzten wir uns zusammen und beschlossen anschließend, die alten Klassiker nochmal neu und modern einzuspielen. Zu der Zeit hatten wir ja auch keinen Produzenten mehr im Nacken der uns Druck machen konnte. Und wenn man immer noch Spaß an der Musik hat und gerne auf der BĂŒhne steht, so lange sollte man auch weiter Musik machen. Die „Hits vom Index 1“ höre ich auch heute noch gerne.

Hattest du denn nicht 2019 gesagt, dass es vorbei ist mit Kraftschlag?

Hatte ich, ja. Aber irgendwie war das der damaligen Situation geschuldet. Man war ausgebrannt. Und so sehr ich mich auch bemĂŒhte, mir sind einfach keine neuen Texte eingefallen. Selbst als die wahnsinnige Merkel 2015 mit ihrem „Wir schaffen das“ quasi eine Steilvorlage geliefert hatte und es dann ja auch zu vielen TerroranschlĂ€gen durch die „Zugewanderten“ kam, – so dachte ich mir dann trotzdem noch, dass ich das doch schon alles lĂ€ngst besungen hatte. „Festung Europa „ oder „Das Boot ist voll“. Das waren alles Lieder, in denen vor all dem was heute passiert damals schon gewarnt wurde.  Große Lust hatte ich auch nicht mehr Texte zu schreiben und dann kam es eben zu meinem Post auf Facebook, wo ich den Abschied verkĂŒndet hatte. Aber wie gesagt. Das war unterm Strich nur dem Jahr 2019 geschuldet.

Nur eine kleine Talfahrt. Also geht es mit Kraftschlag weiter?

So kann man das sagen. Und ja, es geht mit Kraftschlag weiter.

 

Kommen wir mal zu einem anderen Thema: Polen. Du hattest ja damals, als die Band Konkwista 88 aus Polen sehr bekannt war, ein Lied geschrieben welches auf eine Art gegen Polen gerichtet war, aber vor allem gegen diese polnische Band. Und auf der „Festung Europa“ hast du gesamt Osteuropa quasi das Recht abgesprochen sich ĂŒberhaupt als EuropĂ€er zu bezeichnen. Heute, ĂŒber 20 Jahre spĂ€ter, hast du auf der „Hits vom Index 2“ das Lied „Festung Europa“ umgeschrieben, bzw, den Teil bezĂŒglich Osteuropa anders vertont. Hat sich deine Sichtweise geĂ€ndert?

 

Ja, aber großartig neu getextet war das Lied ja auch nicht. Also die Band Konkwista 88 waren damals schon meine persönlichen Feinde. Ich hatte schon  1994 in Schweden ordentlich Stress mit denen gehabt. FĂŒr uns als Band stand schon lange, lange fest, dass alles was hinter der Oder/Neiße Grenze liegt schon immer deutsch war und auf ewig deutsch bleiben wird. Wir hĂ€tten uns auch nie vorstellen können, dass auf einmal irgendwelche Ostvölker zur White Power Bewegung gehören. Ich muss auch dazu sagen, dass ich familiĂ€r vorbelastet bin, da beide Großelternteile von mir aus Preußen und Pommern kamen. FĂŒr mich persönlich stand immer fest: Verzicht ist Verrat. Und damals, als das Lied „Polen“ geschrieben wurde, hĂ€tte man sich nicht vorstellen können, dass LĂ€nder wie Ungarn, Tschechien oder Polen mal leuchtende Vorbilder fĂŒr Europa sein werden.

Und wie ist dein Standpunkt heute?

Tja
.., damals war es auch noch eine andere Zeit. In den 90er Jahren war das Thema noch wesentlich prĂ€senter als heute. Selbst die CDU hatte, vor allem in den 70er und 80er Jahren, das Anliegen der Heimatvertriebenen auf der Tagesordnung gehabt. Man hat darĂŒber im Heimatkunde-Unterricht gesprochen und jeder kannte einen, der in der Familie Heimatvertriebene hatte. Über all das wird heute nicht mehr gesprochen.

Also du wĂŒrdest auch heute noch kein Bier mit dem SĂ€nger von Konkwista 88 trinken.

Nein, auf keinen Fall.

Richtete sich deine Ablehnung nur gegen Polen, oder gegen den gesamten Ostblock?

Nein, das war nur generell gegen Polen an sich gerichtet. Den restlichen Ostblock hatte man ja nie verbunden mit Heimatraub.

WĂ€hrend frĂŒher, also so vor 20 bis 25 Jahren, die Abneigung gegen Polen sehr groß war, wurde hingegen ein Band aus Russland wie Kolovrat regelrecht abgefeiert. Was sagst du dazu?

Stimmt. Das war auch so ein PhĂ€nomen. Ich kann mir das nur so erklĂ€ren, dass die Sache mit Polen eben prĂ€senter war. Hinzu kommt noch, dass man wahrscheinlich unterschwellig eine gewisse Achtung vor der russischen StaatsfĂŒhrung hatte und dass das heute auch noch der Fall ist. Viele der eingewanderten aus Russland, Russlanddeutsche zum Beispiel, fallen heutzutage ja gar nicht mehr auf – ganz im Gegensatz zu Einwanderern aus dem Islam.

Also machst du schon Unterschiede zwischen Polen einerseits und Ukrainer oder Russen andererseits.

Ja, schon. Aber z.B. die Ukrainer sind ja auch nicht so stark vertreten in Deutschland und fallen auch nicht negativ auf.

Wie beurteilst du denn die politische Lage in Deutschland, gemessen an den letzten 5 Jahren mit dem Aufkommen von Pegida, AfD usw?

Die politische Lage war schon immer beschissen. Es hat sich nichts geĂ€ndert. Außer vielleicht das es heute noch offener zur Schau gestellt wird und die Politiker ganz offen sagen das sie Deutschland umkrempeln wollen, so das nichts mehr so ist wie frĂŒher. Das Thema Überfremdung war schon immer das grĂ¶ĂŸte Problem gewesen. Also an sich hat sich gar nichts geĂ€ndert – im Gegenteil. Es ist noch alles viel schlimmer geworden.

Hast du noch Hoffnung?

Nein. FĂŒr den westlichen Teil von Deutschland gar nicht mehr.

Und fĂŒr Europa?

Kaum. Allein die bloße Masse an Muslimen in Europa ist gar nicht mehr zu bewĂ€ltigen. Guck dir Frankreich, Italien oder Deutschland an. Von Belgien und Holland braucht mag gar nicht erst reden. Das ist ein ganz simples Rechenbeispiel. Wenn ein europĂ€isches Paar ein Kind bekommt, dann kriegen die Muslime 8 oder 9 Kinder pro Familie. Das ist nicht mehr aufzuhalten. Und selbst wenn jetzt die 18-jĂ€hrigen Deutschen beschließen wĂŒrden auch 6 oder 7 Kinder zu kriegen
. – finde erstmal einen fĂ€higen deutschen Partner. An einer Schule mit 70 oder 80 % AuslĂ€nderanteil, wo die letzten Deutschen sich den Fremden unterwerfen? Wie denn? Also ich habe da kaum noch Hoffnung. Und um auf die Frage wegen Pegida und AfD zurĂŒck zu kommen. Ja gut. Es ist ja schön wenn sich viele BĂŒrger denen anschließen und der Widerstand mittlerweile auch Polizisten, AnwĂ€lte usw anzieht. Aber solange du keine Medienmacht hast wie z.B. FOX News in den USA, solange wirst du hier keine Chance haben. Das geht einfach nicht.

Wie siehst du denn das Problem mit dem Nachwuchs? Es ist ja kaum noch welcher da. In den Staaten ist ja alles weggebrochen.

Sehe ich nicht so. Es gibt heute viele Bands die nach 20 Jahren wieder anfangen Musik zu machen.

Ich rede von Nachwuchs. 20-jÀhrige.

Ach, du meinst jetzt richtige Jungspunde? Ja gut, also wenn ich mir so das Publikum auf den Konzerten anschaue, dann sehe ich da schon Nachwuchs. Es könnte natĂŒrlich besser sein. Aber das hier alles auf Null bricht, daran glaube ich nicht. Es gibt Leute, die sind mittlerweile ĂŒber 40 und bringen zum Stahlgewitter Konzert ihren 20 jĂ€hrigen Sohn mit. Die tragen quasi die Stiefel ihrer VĂ€ter auf.

Hast du Kinder?

Ja. 4!!

 Kommen denn deine Kinder nach dir, also was die Weltanschauung angeht?

Ich ĂŒbe da keinen großen Druck aus. Meine Kinder kennen meine Einstellung und ich muss das auch nicht steuern. Sie wissen genau mit wem ich Umgang habe. FĂŒr meine Kinder war es völlig normal, dass bei Grillfeiern auch mal Leute mit kurzen Haaren und Stiefeln anwesend waren. Die kennen das gar nicht anders und die werden sich schon ihre Meinung bilden und ihren Weg gehen. Auch auf meinen Sohn werde ich keinen Druck ausĂŒben. Solange der nicht so ĂŒber die StrĂ€nge schlĂ€gt wie sein Vater ist alles gut. Es ist auch nicht so, dass meine Wohnung voll mit HK-Fahnen ist. Klar kann sich jeder eine CD aus Papas Regal nehmen, aber ich schiebe meine Kinder nicht bewusst in eine Richtung.

Nochmal kurz zurĂŒck zur Musik. Wie geht es denn mit Kraftschlag weiter?

Also zunÀchst sind wir ja noch unsere JubilÀums-CD schuldig. Das ist auch das erste was wir jetzt in Angriff nehmen werden. Ansonsten machen wir uns keinen Stress. Wir werden gucken was nach Corona möglich ist und nehmen alles wie es kommt. Druck machen wir uns auf jeden Fall nicht. Aber es wird definitiv weitergehen mit Kraftschlag. Das steht fest!!

Du hattest ja auch ein Lied ĂŒber den Klan gemacht. Nun ist es ja so, dass der Klan nicht so wirklich zu unserer Weltanschauung passt. Wie siehst du das?

Jeder von uns schaut sich nun einmal gerne alte Filme ĂŒber den Klan an. Und dieses SektenĂ€hnliche und das Christengehabe mag ich auch nicht. Aber mich fasziniert eben das der Klan es geschafft hat ĂŒber 150 Jahre lang zu existieren. Brennende Kreuze, die Kutten, das sind alles Sachen die eine unglaubliche Anziehungskraft ausĂŒben und ich finde, dass diese ganze Tradition einfach dazugehört. Ich wĂŒrde es einfach schade finden, wenn diese Tradition nach 150 Jahren einfach verschwinden wĂŒrde. Und die Thesen vom Klan kann ich auch gut nachvollziehen.

So, wir kommen dann mal zum Ende. Die letzten Worte gehören dir.

Ja, also erstmal danke fĂŒr das Interesse und fĂŒr das Interview. Ich wĂŒnsche dir mit deinem Magazin alles Gute fĂŒr die Zukunft. Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, dass es noch Nationale Printmedien gibt wo man noch was in der Hand halten kann. An alle anderen da draußen.

Bleibe im Land und wehre dich tÀglich!

 

 

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